Betreuungsstellen - Sonderprojekte

Quo Vadis Jugendhilfe Ost Betreuungsstellen Inlandsmaßnahmen
Quo Vadis Jugendhilfe Ost Betreuungsstellen Auslandsmaßnahmen
Quo Vadis Jugendhilfe Ost Betreuungsstellen Sonderprojekte

Kurzkonzept Zirkus Spindler

Zielgruppe
Die Zielgruppe sind junge Menschen, die durch gängige Jugendhilfemaßnahmen, bspw. aufgrund von jahrelangem und mehrfachen „Durchgereicht-werden“, nicht mehr erreichbar sind , für die kurzfristige oder langfristige Alternativen zu herkömmlich bekannten Jugendhilfeformen angezeigt sind. Wir verzichten hier bewusst auf eine Altersbegrenzung, da die Herausforderung und damit verbunden die individuellen Bedarfe der jungen Menschen im Vordergrund stehen. Eine Beurteilung im Einzelfall, bezogen auf das tatsächliche Alter ist obligatorisch.
Das Zirkusprojekt bietet 1 Platz als individualpädagogische Maßnahmen nach §35 SGB VIII im 1:1 Setting an.
Eine Betreuung nach §41 SGB VIII über das 18. Lebensjahr hinaus ist nach Absprache mit allen Hilfebeteiligten im Hilfeplanprozess möglich.

Ausschlusskriterien:

  • bestehende Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, bei welcher ein Entzug indiziert ist
  • fortlaufender zeitweise Konsum harter Drogen (bspw. Crystal)
  • Tierquälerei
  • bekannte Neigung zum Zündeln

Qualifikation des Zirkusprojektes
Der Betreuer ist selbst im Zirkus groß geworden und teilt dadurch die weltoffene, flexible als gleich strukturierte und engagierte Wertehaltung, die dieses besondere Leben mit sich bringt.
Im Zirkus selbst wurden bereits mehrfach „Gestrandete“ aufgenommen und mit unterschiedlichen Jugendhilfeträgern zusammengearbeitet.
In diesem Rahmen konnte der Betreuer aufwachsend und später auch in eigener Verantwortung mit Menschen in besonderen Lebenslagen arbeiten. Der Betreuer zeichnet sich durch große Feinfühligkeit, Klarheit, Offenheit, ruhige Ausstrahlung und Motivationsfähigkeit aus. Menschen begegneter er in ihrer Einzigartigkeit mit dem Ziel, gemeinsam herauszufinden, was die Person braucht und wie ein Weg dorthin aussehen kann. Aufgrund des großen Zusammenhaltes und der Vielfalt in der Zirkusfamilie sind, neben dem Vermitteln von Werten, Unterstützung und Auffangen untereinander möglich und es kann durch viele unterschiedliche Vorbilder ausprobiert und gelernt werden.

Alleinstellungsmerkmale
Der Zirkusalltag unterscheidet sich deutlich vom allgemeinen Bekannten und bietet daher auf mehreren Ebenen Potenzial, Verhalten ändern zu können und/oder neues zu erlernen.
Das Alltagsleben findet zwischen der Manege des Viermasterzeltes, auf dem Zirkusplatz, in den Zirkuswagen und am Ort des jeweiligen Gastspieles statt. Das Familienleben ist auch durch die Generationen und Rollen „bunt“: Großeltern, Eltern, Geschwister, Kinder, Enkelkinder, Cousins, Cousinen leben und wirken zusammen – dieser Mix bietet Lernen an einem alternativen Modell, insbesondere für Jugendhilfekinder.
Das Agieren und der Zusammenhalt in der Gemeinschaft ist im Zirkus notwendig und wird erfahrbar gemacht. Junge Menschen können Klarheit, Verbindlichkeit, Zuwendung, Vertrauen und Selbstwirksamkeit täglich erfahren.
Das Zirkusprojekt versteht sich auch als Reiseprojekt. Neben dem festen Spielplatz bei Berlin werden ganzjährig auch Gastspielorte bereist, bei denen bspw. Hüpfburg-Festivals im Vordergrund stehen. Die Wechsel sind immer verknüpft mit der Lernmöglichkeit, etwas Neues zu erleben, sich erneut auf etwas einzustellen und unterschiedliche Facetten von Lebensentwürfen kennen zu lernen.
Durch unterschiedliche Angebote bieten sich dem jungen Menschen Möglichkeiten, sich selbst (neu) kennenzulernen, auszuprobieren und zu wachsen (s. Methoden).
Der Betreuer ist hauptverantwortlich für die Tiere vor Ort (Pferde, Ponys, Elefanten, Nashörner, Kamele, Hunde) zuständig. Der Einbezug der jungen Menschen im Rahmen einer tiergestützten Interaktion ist hier möglich und bietet ein weiteres Feld der Entwicklungsmöglichkeiten.
Der junge Mensch lebt in einem „eigenen“ Wohnwagen, der sehr modern über eine volle Ausstattung verfügt. Anschluss zu sanitären Einrichtungen, dem Küchenwagen sowie weitere Rückzugsmöglichkeiten sind gegeben. Die Mahlzeiten werden in der Regel gemeinsam eingenommen - auch hier wird Gemeinschaft erlebt, denn die Zubereitung der Mahlzeiten für alle Zirkusmitglieder wird im großen Familienwagen übernommen.

Ziele

  • Aufbau einer vertrauensvollen, tragfähigen Beziehung zum Betreuer
  • positive Bindungserfahrungen
  • Förderung von Selbstwirksamkeit
  • Vertrauen in eigene Stärken und Fähigkeiten herstellen
  • Aufbau von Motivation zum Handeln
  • Fördern von Eigeninitiative/Beteiligung am eigenen Leben
  • Frustrationstoleranz steigern
  • Entwicklung von konstruktiven (Konflikt-)Lösungsstrategien
  • Erlernen eines respektvollen und verantwortungsbewussten Umganges
  • Erarbeitung einer eigenen Perspektive

Methoden
Nur gemeinsam sind wir stark. Unsere Taten sagen, wer wir wirklich sind.
Neben der permanenten 1:1 Begleitung durch den Betreuer lebt der Zirkus von der Gemeinschaft. Der Tagesablauf ist strukturiert und bietet den jungen Menschen die Möglichkeit an unterschiedlichsten Aufgaben und Angeboten mitzuwirken: alles rund um die Vorstellungen, Werbung/Plakate, handwerkliche Tätigkeiten/Reparaturen, Haushalt, Tierversorgung, Besorgungen, Platzakquise/ Platzarbeiten, Auf-, Abbau, u.v.m. Dies beinhaltet das Potenzial Selbstwirksamkeit zu erfahren und dadurch positive Entwicklungen möglich zu machen, bzw. überhaupt wieder Motivation herzustellen.
Mehrfach im Jahr wird der Ort gewechselt, wodurch unterschiedliche Städte, Menschen und Aufgaben kennengelernt werden können, für die eigene Organisation notwendig und Flexibilität gefragt ist.
Durch viele unterschiedliche Tiere besteht die Möglichkeit, neben Verantwortungsübernahme, niedrigschwellig Beziehung aufzubauen, emotionale Bindung herzustellen und sich (erneut) zu öffnen.
Auch Freizeitausflüge sind, nach erledigter Arbeit, Teil des Zirkuslebens. Berlin hat eine Vielfalt an Attraktionen, die man sich als besondere Aktionen erarbeiten kann und Aufwand als gewinnbringend erleben kann.
Die Offenheit der Zirkusfamilie bietet einen akzeptierenden Rahmen für unterschiedliche Charaktere mit ihren individuellen Eigenarten. Solange hierbei die Person selbst und andere nicht zu Schaden kommen, wird mit Verhalten gearbeitet. Ganz nach dem Motto:
„Problematisches Verhalten verstehen wir als einen Versuch zu zeigen, dass etwas für das Kind/die:den Jugendliche:n nicht gut war, bzw. ist. Da wollen wir dann gemeinsam herausfinden, wie es anders, eventuell sogar besser geht.“
Da Familie stark gelebt wird, ist Arbeit mit dem Herkunftssystem und Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln ein selbstverständlicher Teil der Arbeit.
Beschulung kann durch eine Angliederung an die Flex-Fernschule realisiert werden.
Der Betreuer bringt neben allem genannten auch eine gute Portion Humor mit, welche in schwierigen Situationen entschleunigen kann.

Grundsätzliches

  • der alters- und entwicklungsgemäße Einbezug von Kindern und Jugendlichen am Hilfeprozess
  • die Kooperation mit Sorgeberechtigten, Herkunftsfamilie und weiteren wichtigen Bezugspersonen, sowie mit dem zuständigen Jugendamt
  • ein kontinuierliches und transparentes Beschwerdemanagement und die Umsetzung der Richtlinien zur Sicherstellung des Kindeswohls

sind handlungsleitend für die Arbeit mit den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen und werden entsprechend der Leistungsbeschreibung von Quo Vadis in der Betreuungsstelle umgesetzt. Die Leistungsbeschreibung kann im Internet abgerufen werden oder wird auf Anfrage zugesandt.

Stand: Juli 2026