Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Familienanaloge Betreuungsstelle Oelsnitz

Zielgruppe

Die Zielgruppe sind Kinder mit einem Aufnahmealter bis zu ca. zehn Jahren, die aufgrund von akuten Belastungssituationen, sozialer, emotionaler und psychischer Beeinträchtigung oder traumatischer Erlebnisse einen überschaubaren und fachlich abgesicherten Rahmen benötigen. Das Angebot ermöglicht Kindern mit großen emotionalen Defiziten von der familiären Struktur zu profitieren und sichert ihnen Geborgenheit und professionelle Unterstützung. Hier können bis zu zwei Kinder aufgenommen werden.
Die Maßnahme wird als stationäre Erziehungshilfe auf der Grundlage der §§ 27 Abs. 1, 33 SGB VIII durchgeführt; bei Bedarf ist auch nach dem 18. Lebensjahr die Verselbständigung in der im Haus befindlichen Einliegerwohnung nach § 41 SGB VIII möglich.
Ein persönliches Kennenlernen aller Beteiligten im Vorfeld einer potentiellen Aufnahme in der Betreuungsstelle ist ausdrücklich erwünscht.
Ausschlusskriterien sind akute psychiatrische oder Suchterkrankung, sexuell übergriffige Kinder, Tierquäler, hohe Gewaltbereitschaft, Brandstifter.

Qualifikation und Familienstruktur Betreuungsstelle

Der Betreuer ist staatlich anerkannter Erzieher mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung von Menschen mit emotionalen, psychischen und geistigen Behinderungen und hat eine abgeschlossene Ausbildung als Kfz-Mechaniker. Er ist Vollzeit in der Betreuungsstelle tätig.
Die Ehefrau (exam. Krankenschwester) ist ebenfalls in der Stelle vor Ort um für die Betreuung der eigenen Kinder und des Haushaltes da zu sein. Sie unterstützt die Betreuungsstelle mit 20h/Woche.
Das Betreuerehepaar ist seit 1998 verheiratet und lebt mit den fünf gemeinsamen Kindern (Jahrgang 2003, 2005, 2006, 2011, 2014) und den zu betreuenden Kindern in ihrem Einfamilienhaus.
Der Betreuer zeichnet sich durch hohe Belastbarkeit, erfrischende Echtheit, Empathie, Flexibilität, Kreativität und Humor aus. Seine Frau strahlt eher Ruhe, Gelassenheit und eine wohlwollende und optimistische Lebenseinstellung aus. Im Familiensystem herrscht eine warmherzige, vertrauensvolle, fröhliche Atmosphäre, in der auf die individuelle Situation jedes einzelnen Kindes/ Jugendlichen eingegangen wird.

Alleinstellungsmerkmale

Das Betreuungssystem bietet ein authentisches Lernfeld durch die Modellfunktion der eigenen harmonisch funktionierenden Familie.
Da die Ehefrau des Erziehers examinierte Krankenschwester ist, können auch Kinder mit medizinischem Versorgungsbedarf aufgenommen werden.
Das Kind / der Jugendliche wird als Teil seines Herkunftssystems begriffen. Deshalb ist eine auf Kooperation und Akzeptanz ausgerichtete professionelle Familienbeziehungsarbeit für die Stelle unerlässlich. Auch in Konstellationen mit Sorgerechtsentzug wird eine Erforschung der Herkunftsfamilie angestrebt, um auf die Vermittlung von wachsendem biografischem Verständnis hinzuführen.

Ziele

  • Aufbau einer vertrauensvollen, tragfähigen Beziehung zu den Erziehenden
  • positive Bindungserfahrungen/ Aufholen von emotionalen Defiziten
  • Festigung und Förderung des Selbstwertgefühls
  • Entwicklung eines Verständnisses für den Sinn von Regeln und Strukturen und deren Einhaltung
  • Vertrauen in eigene Stärken und Fähigkeiten aufbauen, Stärkung der Identität
  • Förderung von Konzentration, Ausdauer, Koordination und Motorik
  • Frustrationstoleranz steigern
  • Förderung von Eigenverantwortung, Selbständigkeit, Sozialkompetenzen
  • Entwicklung von konstruktiven Konfliktlösungsstrategien
  • Erlernen eines respektvollen und verantwortungsbewussten Umganges
  • Regelmäßige Beschulung und Erwerb eines Abschlusses
  • Fördern von Kreativität, Motivation, Eigeninitiative und Freizeitaktivitäten
  • Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten (Umgang mit Geld, Hygiene usw.)
  • Entwicklung von Moral und einem Bewusstsein für Werte

Methoden

Die betreuten Kinder und Jugendlichen werden als wertvolle einzigartige Wesen angesehen, die auf individuelle Art auf die bisherigen Einflüsse reagierten und entsprechende Verhaltens- und Persönlichkeitsstrukturen entwickelten, die für ihr Bestehen als Person sinnvoll waren. Die Stelle bietet einen sicheren Ort um zur Ruhe zu kommen und im Mit- und Füreinander familiären Lebens eine Alternative zu früheren Erfahrungen zu erleben. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit aus alten Verhaltensmustern auszusteigen. Die Familie bietet Sicherheit und Geborgenheit auch über kritische Zeiten hinweg. Die Kinder und Jugendlichen erfahren Halt und Zuverlässigkeit und können so traumatische Erfahrungen besser verarbeiten. Ein stabiles Beziehungsangebot soll Bindungsstörungen überwinden helfen und dazu beitragen, dass die Kinder und Jugendlichen in ihrem weiteren Leben konstruktive, Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen zu neugierigen, lebensfrohen und selbständigen Menschen heranreifen.
Das gezielte pädagogische Handeln ist ein selbstverständlicher Teil des Zusammenlebens in der Familie des Erziehers. Es basiert auf lerntheoretischen Ansätzen, die in „Echtzeitpädagogik“ (reale Herausforderungen in einem realen Lernumfeld) mit vielen erlebnispädagogischen Impulsen umgesetzt wird. Das Ankommen in einem wertschätzenden, entspannten Umfeld bildet die Grundlage für Vertrauen und Beziehung. Die in der Betreuer-Familie bereits bestehenden Beziehungen helfen eigene Bindungserfahrungen zu reflektieren und neue aufzubauen. Die Integration in die Betreuerfamilie mit eigenen Kindern, mit maximaler Verfügbarkeit, Bindungsangebot, Geborgenheit und sozialer Normalität, sind Hauptkennzeichen des Angebotes. Am Modellverhalten der Erzieher-Familie werden wertschätzende Kommunikation, Konfliktlösungsstrategien sowie die Übernahme von Verantwortung erlernt. Rituale, wie gemeinsame Mahlzeiten, Tagesabschluss im Kreis der Familie, Versorgung von Tieren, dienen der Orientierung und inneren Strukturierung.
Ein interessen-, fähigkeits- und fertigkeitsbezogenes Einbringen sowie altersentsprechende Herausforderungen stärken das Selbstwirksamkeitserleben und ein positives Selbst. Der Umgang mit Tieren baut Ängste ab und wirkt beziehungs- und kommunikationsunterstützend.
Ggf. bestehende Kontakte zu bisherigen Bezugspersonen lassen die eigene Biografie besser verstehen und tragen zu einer gesunden Identität bei. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Lehrern und Erziehern der Schule oder Berufsbegleitung sowie mit Ärzten wird angestrebt.
Partizipation ist Teil des Alltags im Mitentscheiden, bei der Erstellung des Wochenplanes, der Planung von Urlaub und Freizeitgestaltung und vieler reflektierender Gespräche. Auch bei der Fortschreibung des Entwicklungsberichtes wird zur Offenheit und Beteiligung des Kindes Jugendlichen ermutigt.

Infrastruktur, räumliche Gegebenheiten, Freizeitmöglichkeiten

Im dreigeschossigen Einfamilienhaus (270qm) ist das Zentrum des familiären Lebens die große gemütliche Wohnküche mit angrenzendem Spielzimmer und einer Veranda. Im Obergeschoss befinden sich die Schlafräume und Kinderzimmer. Jede Etage hat ein Bad. Außerdem gibt es eine geräumige Einliegerwohnung, die für eine spätere Verselbstständigung zur Verfügung steht.
Die Betreuungsstelle hat im Ort gute Beziehungen zur integrativen Kindertagesstätte, dem Hort, der integrativen Grund- und Oberschule, dem Gymnasium und der Musikschule. Die Förderschulen für Lernen/geistige Entwicklung und Erziehungshilfe sind mit dem Schülertaxi gut erreichbar. Es gibt eine enge Kooperation mit örtlichen Therapeuten und Ärzten. Die KJP mit Ambulanz ist in 30 min erreichbar.
Zum Grundstück gehören ein Spiel- und Lagerfeuerplatz und 1,5ha Land für Tierhaltung, Gemüseanbau und Bewegungsmöglichkeit. Die Kinder bekommen vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten durch Freizeitangebote auf dem Gelände (technische Basteleien in der Kfz-Werkstatt, konstruieren mit Holz, Stein, Metall, Handarbeiten, rodeln, Ski-, Quad- und Cross-Fahren, Gartenbau, Tierhaltung, etc.).
Durch die Integration in das bestehende Beziehungsnetz werden vielfältige soziale Erfahrungen möglich (z.B. in Nachbarschaft, Pfadfindergruppe, Sportverein). Es existiert eine enge Zusammenarbeit (der Betreuer ist einer der Teamleiter) mit den Pfadfindern mit ihren vielfältigen erlebnispädagogischen Angeboten.

Grundsätzliches

  • der alters- und entwicklungsgemäße Einbezug von Kindern und Jugendlichen am Hilfeprozess
  • die Kooperation mit Sorgeberechtigten, Herkunftsfamilie und weiteren wichtigen Bezugspersonen, sowie mit dem zuständigen Jugendamt
  • ein kontinuierliches und transparentes Beschwerdemanagement und die Umsetzung der Richtlinien zur Sicherstellung des Kindeswohls

sind handlungsleitend für die Arbeit mit den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen und werden entsprechend der Leistungsbeschreibung von Quo Vadis in der Betreuungsstelle umgesetzt. Die Leistungsbeschreibung kann im Internet abgerufen werden oder wird auf Anfrage zugesandt.

Stand April 2018