Betreuungsstellen - Inlandsmaßnahmen



Intensivpädagogische Betreuungsstelle Jakobsdorf mit individual- und erlebnispädagogischem Ansatz

Zielgruppe
Das Projekt ist von den personellen und räumlichen Voraussetzungen für drei Intensivplätze auf Grundlage der §§ 34, 35, 35a SGB VIII ausgerichtet. Das Angebot sieht koedukatives Wohnen vor und richtet sich an Jungen und Mädchen ab 12 Jahren, die eine milieuferne Unterbringung und Abstand zu ihrer bisherigen Lebenssituation und belasteten Familienstrukturen benötigen.
Ausschlusskriterien sind Tierquälerei, sexuelle Übergriffigkeit, akute Selbst- und Fremdgefährdung.

Qualifikation und Struktur Betreuungsstelle
In der Stelle leben zwei pädagogische Fachkräfte, die von einer hinzukommenden Hauwirtschaftskraft unterstützt werden. Die Betreuerin kann durch ihre Arbeit als Reisepädagogin Trekkingtouren und kurze Reiseprojekte, erlebnispädagogische Gruppen- und Einzelerfahrungen ermöglichen. Sie hat eine Zusatzqualifikation im Bereich der Traumatherapie und eine Ausbildung zur Yogalehrerin.
Der Betreuer hat als Reisepädagoge gearbeitet und ist durch seine Erfahrung in einer Berliner Kriseneinrichtung vertraut mit herausfordernden Situationen und Grenzüberschreitung. Er ist Musiker und hat in unterschiedlichen Musikprojekten mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Das ermöglicht musikalische Bildung im Projekt.
Die ergänzende Hauswirtschaftskraft ist leidenschaftliche Hobbyköchin. Sie studiert auf Lehramt in den Fächern Politik und Deutsch. Durch didaktisch - methodische Kompetenzen bringt sie zu dem eine andere Perspektive in die Küche. Die Küche wird zu einem alltäglichen Lern- und Erfahrungsort für die KlientInnen.
Diese Struktur ermöglicht dem Team regelmäßige Frei- und Auszeiten, um langfristig professionelle Arbeit zu gewährleisten.
Das Team ist bestrebt ein Höchstmaß an Fachkompetenzen zu bündeln. So nehmen sie regelmäßig an Fort - und Weiterbildungen teil. Es finden regelmäßig Team und Einzelsupervisionen, Reflexionsrunden und Teamtreffen statt.

Alleinstellungsmerkmale
Kinder und Jugendliche deren Familien und Familiensysteme nicht als positiv und entwicklungsfördernd erlebt wurden, stellen uns vor die Herausforderung ein stabiles Lebensumfeld zu schaffen ohne bisherige familiäre Verhaltensmuster stetig zu wiederholen. Auf dem Hof in der Prignitz finden sie Halt in einem familienersetzendem Wohnprojekt mit individualpädagogischer und naturnaher Prägung. Der strukturelle Rahmen bietet die Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten einer Gruppe innerhalb einer Lebensgemeinschaft, die fernab von klassischen und häufig sehr belasteten Familienstrukturen ein liebevolles Zuhause gibt.
Die Reaktivierung vorhandener Ressourcen und die Betrachtung von Kindern und Jugendlichen als ExpertInnen ihrer Situation sind zentrale Elemente der pädagogischen Arbeit der Stelle. Die Arbeit mit Tieren im Projekt fördert die Empathie-Fähigkeit und bietet zugleich die Möglichkeit zu Körperkontakt und Zuwendung.

Ziele

  • Entwicklung neuer Verhaltensmuster, sozialer Kompetenzen und Perspektiven
  • Gruppenfähigkeit und Förderung von Entscheidungsfähigkeit
  • Erfahren und Etablieren von Kontinuität und Verlässlichkeit
  • Entwickeln und Etablieren von Alltagsstrukturen
  • Regelmäßiger Schulbesuch
  • Entwicklung von Verantwortungsübernahme und Selbstbewusstsein
  • Veränderungs- und Handlungsfähigkeit
  • Partizipation und Reflexionsfähigkeit
  • Orientierung und Regelakzeptanz
  • Entfaltung von Ressourcen
  • Erwerb geeigneter individueller Krisenbewältigungs-Strategien

Methoden
Durch Beobachtung und Dokumentation werden Prozesse betrachtet und bearbeitet. Die Ergebnisse werden genutzt, um den Verlauf der Maßnahme individuell und unter Beachtung vorhandener Ressourcen, Bedürfnisse und gegebener Situationen zu gestalten.
Regelmäßige Reflexionen eröffnen den Klienten/Innen einen anderen Blick auf sich und ihre Situation. Dies und eine enge Begleitung des/der Klienten/in, ermöglicht einen nachhaltigen Transfer von Erlerntem in den Alltag.

Individualpädagogik
Die persönliche Situation, die Erfahrungen und die Ressourcen des Jugendlichen bilden eine Grundlage, auf der durch individuelle Gestaltung und Bearbeitung Perspektiven, akzeptierte Handlungsstrategien und -alternativen entwickelt werden können. Prozessorientiert gestalten wir das alltägliche Zusammenleben gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen.

Beziehungskontinuität
Unsere individualpädagogische Lebensgemeinschaft zeichnet sich durch eine hohe Beziehungskontinuität und Belastbarkeit des Betreuungssettings aus. Unsere KlientInnen haben in der Vergangenheit viele negative Beziehungsabbrüche erfahren. Das enge Betreuungssetting bietet die Chance, durch den Aufbau einer Beziehung auf individuelle Anliegen der KlientInnen intensiv einzugehen und die Methoden an dieses Anliegen anzupassen.

Gruppenpädagogik
Diese Beziehungskontinuität ermöglicht das Leben in der Gruppe und die entstandene, „sichere Basis“ hilft neue Rollen zu testen, Verhaltensweisen zu erproben und fördert die Auseinandersetzung mit Rollenvorstellungen. Für die häufig als „gruppenunfähig“ beschriebenen KlientInnen bietet sich ein Übungsfeld zur Erarbeitung sozialer Kompetenzen. Der Austausch auf Augenhöhe mit Gleichaltrigen lässt einen Realitätsabgleich zu. Die Ausbildung von Empathie für ähnlich oder unterschiedlich biografisch geprägte „Leidensgenossen“ wird möglich. Dieses Lernfeld kann ohne Machtgefälle beschritten werden; ein Aspekt, den wir als BetreuerInnen nur begrenzt zu bieten haben. Durch gezielt initiierte Prozesse wird es möglich, die Gruppe als Vorteil, Entlastung und damit als lohnenswert zu empfinden. Sie können ihr Selbstbild entwickeln, mit anderen abgleichen und passende Austauschpartner/Innen für ihre Anliegen wählen. Die Gelegenheit in einer Gruppe zu leben, bietet außerdem ein erweitertes diagnostisches Instrument für differenziertere und aussagekräftigere Empfehlungen zum zukünftigen Hilfeverlauf.

Arbeit in und mit der Natur
Durch den andauernden Aufenthalt in der Natur kommt es zu einer Beruhigung oben aufliegender Themen. Reiz und Ablenkung werden durch die Entfernung zum gewohnten Lebensumfeld, Abwesenheit elektronischer Geräte und Medien minimiert. Diese Reizminderung lässt Prozesse spürbar und erfahrbar werden. Während sich die Optionen zu Flucht und Ablenkung verringert, wächst der Raum für die Auseinandersetzung mit sich selbst. Dies bietet die Möglichkeit auf große Distanz zu arbeiten.

Konsequenzen durch eigenes Handeln
Die Arbeit mit logischen Folgen lässt Handlungszusammenhänge durch uns BetreuerInnen und die Natur deutlich und erfahrbar werden. Dahinter steht der Leitsatz: Jedes Handeln und jedes Nicht-Handeln hat Folgen, alles ist eine Entscheidung die Konsequenzen hat. Die Aufgabe von uns als BetreuerInnen ist es, diese für die KlientInnen greifbar und verständlich zu machen. Die KlientInnen können die Sinnhaftigkeit alter Verhaltensweisen überprüfen, neue erarbeiten und ausprobieren.

Elternarbeit
Individuelle Herangehensweise unter Berücksichtigung der familiären Ausgangssituation. Regelmäßige Elternkontakte sind wichtiger Bestandteil der Entwicklung der KlientInnen. Besuchskontakte werden je nach Bedarf begleitet und zunehmend intensiviert. Dabei ist ressourcenorientierte Biografiearbeit mit den Klienten/Innen und deren Eltern Teil der Arbeit.

Gesundheitsfürsorge und Gesundheitsförderung
Bestandteil des Projektes ist die Vermittlung einer gesunden Lebensweise und der dazugehörigen Ernährung, die Absicherung der medizinischen Versorgung und Betreuung, sowie ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper.

Infrastruktur, räumliche Gegebenheiten, Freizeitmöglichkeiten
Die Betreuungsstelle befindet sich in einem Bauernhaus in Alleinlage umschlossen von Wäldern und Feldern in der Prignitz.
Das Haus wird durch eine Ölheizung und einen Kachelofen beheizt, hat 3 Zimmer für KlientInnen, einen großen Küchen- und Wohnbereich, 3 Badezimmer und diverse Nebenräume für unterschiedliche Nutzungen, z.B.: Aufenthaltsraum, Bibliothek, Werkstätten, Büro. Die KlientInnen werden getrennt untergebracht. Damit ist gewährleistet, dass jeder über seinen persönlichen Bereich verfügt.
Räumlichkeiten zur Beschulung sind individuell verfügbar. Die Beschulungsform wird individuell angepasst (Bspw.: Flex-Schule, Besuch regulärer Schulen).

Grundsätzliches

  • der alters- und entwicklungsgemäße Einbezug von Kindern und Jugendlichen am Hilfeprozess
  • die Kooperation mit Sorgeberechtigten, Herkunftsfamilie und weiteren wichtigen Bezugspersonen, sowie mit dem zuständigen Jugendamt
  • ein kontinuierliches und transparentes Beschwerdemanagement und
  • die Umsetzung der Richtlinien zur Sicherstellung des Kindeswohls

sind handlungsleitend für die Arbeit mit den uns anvertrauten Kindern und Jugendlichen und werden entsprechend der Leistungsbeschreibung von Quo Vadis in der Betreuungsstelle umgesetzt. Die Leistungsbeschreibung kann im Internet abgerufen werden und wird auf Anfrage zugesandt.

Stand Dezember 2018